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§§ Newsletter Immobilienrecht 2014/26 §§

Sehr geehrte Damen und Herren, unser heutiger newsletter immobilienrecht informiert Sie über folgende Themen:paragraph

 

  • Grundstücksrecht: Grundbuchberichtigungsanspruch bei falschem Rangverhältnis
  • Grundstücksrecht: Löschung des Insolvenzvermerks
  • Makler- und Bauträgerrecht: Preisnachlass kann Provision verhindern
  • Makler- und Bauträgerrecht: Abzug des Maklers – Provisionsanspruch bleibt bestehen
  • Bau- und Architektenrecht: Detailausführungen des Statikers auch bei Mängelbeseitigung von großer Bedeutung!

 

Grundstücksrecht: Grundbuchberichtigungsanspruch bei falschem Rangverhältnis

Für Rechte, die in das Grundbuch einzutragen sind, kann ein besonderes Rangverhältnis vereinbart werden. Trägt das Grundbuchamt die Rechte abweichend von einer verfahrensrechtlichen Rangbestimmung ein, so wird das Grundbuch dadurch nicht unrichtig. Verstößt das Grundbuchamt bei seiner Eintragung jedoch gegen eine materiell rechtliche Rangbestimmung, so führt dies zur Unrichtigkeit des Grundbuchs.

Praxistipp

Die Abgrenzung der beiden Alternativen fällt häufig schwer. Ist für ein Recht ein bestimmter Rang gewünscht, sollte die materiell rechtliche Rangbestimmung eindeutig getroffen werden. Denn nur dann besteht der Anspruch auf Berichtigung. Diesen Anspruch sollte derjenige, dessen Recht falsch eingetragen wurde, auch unbedingt geltend machen, um zu verhindern, dass er sein Recht durch einen gutgläubigen Erwerb Dritter verliert. Ist der Rang eines Rechts für einen Dritten von Bedeutung, so sei ihm empfohlen, sich auch anhand der Grundakten zu versichern, dass keine abweichenden materiell-rechtlichen Rangbestimmungen getroffen wurden. Die Unrichtigkeit des Grundbuchs lässt sich in der Regel durch gründliches Studium der Grundakten erkennen.

Autor: Diana Emmerich – emmerich@bethge-legal.com

Fundstelle: BGH, Beschluss vom 20. Februar 2014, V ZB 179/13 – www.bundesgerichtshof.de

 

Grundstücksrecht: Löschung des Insolvenzvermerks

Während der Dauer des Insolvenzverfahrens ist stets vom Bestehen einer Verfügungsbeschränkung auszugehen. Der Eigentümer kann dann nicht mehr frei über sein Grundstück verfügen. Wird der Insolvenzvermerk im Grundbuch gelöscht, führt dies nicht automatisch dazu, dass der Eigentümer seine Verfügungsbefugnis wieder erlangt. Möchte der Eigentümer über das Grundstück verfügen, hat er dem Grundbuchamt das Ausscheiden aus der Insolvenzmasse nachzuweisen.

Praxistipp

Ist ein Grundstück Teil eines Insolvenzverfahrens, ist beim Kauf vom Insolvenzverwalter erhöhte Aufmerksamkeit darauf zu verwenden, dass der Käufer am Ende für seinen Kaufpreis das lastenfreie Grundstück erhält. Üblicherweise werden solche Kaufverträge über ein Notaranderkonto abgewickelt. Die Auszahlung des Notars an den Insolvenzverwalter erfolgt dann erst, wenn der lastenfreie Erwerb sichergestellt ist. Da auch in Fällen, bei denen ein Insolvenzvermerk im Grundbuch eingetragen war, sodann aber gestrichen wurde, gleichwohl die Verfügungsbefugnis des Grundstückseigentümers noch nicht wieder hergestellt sein kann, sollten – wie das Urteil zeigt – auch diese Fälle mit der gleichen Vorsicht behandelt werden.

Autor: Matthias Steinke – steinke@bethge-legal.com

Fundstelle: OLG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 12. November 2013, 12 Wx 43/13, ZIP 2014, 836-837

 

Makler- und Bauträgerrecht: Preisnachlass kann Provision verhindern

Auch wenn der Maklerkunde die angebotene Immobilie zu günstigeren Bedingungen ankauft, kann der Provisionsanspruch des Maklers an mangelnder wirtschaftlicher Identität scheitern. Das hat der Bundesgerichtshof für einen Fall entschieden, bei dem der Maklerkunde einen um 25 % niedrigeren Kaufpreis realisieren konnte.

Die wirtschaftliche Gleichwertigkeit des tatsächlich abgeschlossenen Vertrages und des ursprünglich Beabsichtigten ist eine der Voraussetzungen für die Maklerprovision. Der BGH räumt zwar ein, dass Preisnachlässe bei Grundstücksgeschäften häufig vorkommen.  Und soweit sich die Abweichungen im Rahmen dessen halten, womit der Maklerkunde bei der Beauftragung des Maklers gerechnet hat,  sind sie auch nicht provisionsschädlich.

In nicht zu übertreffendem Juristendeutsch fragen die Karlsruher Richter dann allerdings, ob sich die Preisabweichungen „nach Würdigung aller Umstände des Einzelfalls … noch in einem erwartbaren Rahmen bewegen oder ob letztlich die abweichende Preisgestaltung auf Umständen beruht, die die wirtschaftliche Identität des nachgewiesenen zum abgeschlossenen Geschäft in Frage stellen.“ Die Prüfung des Einzelfalles mit einem Preisnachlass von 25 % hat der Maklersenat nicht selbst vorgenommen, sondern dem Berufungsgericht übertragen. An dieses wurde der Vorgang zurückverwiesen.

Praxistipp

Das Urteil bringt keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse. Wenigstens sind ihm aber konkrete Zahlen zu entnehmen: Preisnachlässe von bis zu 15 % stellen die wirtschaftliche Kongruenz im Allgemeinen nicht in Frage, bei Preisnachlässen von mehr als 50 % ist sie regelmäßig zu verneinen. Im Bereich dazwischen ist es eben ein „Einzelfall“…

Autor: Uwe Bethge – bethge@bethge-legal.com

Fundstelle: BGH, Urteil vom 03. Juli 2014, III ZR 530/13 – www.bundesgerichtshof.de

 

Makler- und Bauträgerrecht: Abzug des Maklers – Provisionsanspruch bleibt bestehen

Der Provisionsanspruch des Maklers bleibt auch dann bestehen, wenn der Auftraggeber ihn von den Verhandlungen abzieht und diese selbst weiter führt. Vorliegend hatte der Vermieter den Makler ohne wirksame Kündigungserklärung von den Verhandlungen abgezogen, nachdem dieser den Weg zum Vertragsabschluss maßgeblich geebnet hatte. Zudem nahm er den Makler weiterhin für Beratungstätigkeiten in Anspruch. Mit seinem Verhalten verstieß der Vermieter gegen das Gebot der Vertragstreue. Danach haben die Parteien jedes Verhalten zu unterlassen, was den jeweiligen Vertragspartner an der Ausübung seiner Pflichten hindert. Mit dem Abzug macht er es dem Makler unmöglich, seiner Pflicht aus dem immer noch bestehenden Maklervertrag nachzukommen, so dass diesem ein Schadensersatzanspruch gemäß § 280 Abs. 1 BGB zusteht.

Praxistipp

Ein Maklervertrag sollte genau ausweisen, woraus sich der Provisionsanspruch des Maklers ergibt. Es bedarf einer klaren Regelung, wenn ein solcher nur bestehen soll, nachdem der Makler den Hauptvertrag selbst bis zur Unterschrift verhandelt hat. Unter dem Aspekt der Mitursächlichkeit ist es in der Regel nicht erforderlich, dass der Makler bis zum Vertragsschluss in die Verhandlungen involviert ist.

Autor: Broder Bösenberg – boesenberg@bethge-legal.com

Fundstelle: LG Hamburg, Urteil vom 28. Mai 2014, 401 HKO 47/13, BeckRS 2014, 17608

 

Bau- und Architektenrecht: Detailausführungen des Statikers auch bei Mängelbeseitigung von großer Bedeutung!

Ein Ingenieurbüro erstellte die Tragwerksplanung für die Sanierung eines Hallendachs. Diese Planung führte der beauftragte Dachdecker jedoch mangelhaft aus. Deshalb wurden dem Ingenieurbüro die statisch-konstruktive Bauüberwachung des Dachdeckers und die Planung der Mängelbeseitigung übertragen. Dieser Verpflichtung kam der Tragwerksplaner nur unzureichend nach. Er unterließ es nämlich, dem Dachdecker besonders schadensträchtige Details in einer jedes Risiko auszuschließenden Weise zu verdeutlichen. Es kam erneut zu einer mangelhaften Ausführung durch den Bauunternehmer. Das OLG Naumburg bejahte einen gesamtschuldnerischen Anspruch des Handwerkers und des Ingenieurbüros auf Kostenersatz.

Praxistipp

Fachplanern wird nahegelegt, schadensanfällige Abschnitte des herzustellenden Gewerks in detaillierten Plänen vorzugeben, damit sich das Haftungsrisiko für spätere durch den Bauunternehmer verursachte Mängel minimiert. Zu den Leistungspflichten des (bauüberwachenden) Tragwerksplaners gehört es, die Einhaltung der Anforderungen der allgemein anerkannten Regeln der Technik an das Tragwerk sicherzustellen. Dies gilt umso mehr für die Überwachung von im Vorfeld unzuverlässigen und technisch nicht besonders versierten Bauunternehmern, die zur Beseitigung des von ihnen verursachten Mangels beauftragt wurden.

Autor: Sergia Antipa, M.M. – antipa@bethge-legal.com

Fundstelle: OLG Naumburg, Urteil vom 06. März 2014, 1 U 95/13, NJW-RR 2014, 1299

 

Ein Antwort

  1. Wie wird es mit der Provision aussehen, wenn das Bestellerprinzip ww.bestellerprinzip.de mal eingeführt wird? Wann kommt es eigentlich ? 01.04 oder 01.05.
    Der Makler muss dann wohl noch mehr um seine Provisionsanprüche kämpfen oder wird diesem Berufsstand der Gar ausgemacht. Ich bin gespannt.

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